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Philip Glass: The Fall of the House of Usher

Philip Glass: The Fall of the House of Usher
10.10.2026, 20:00 Uhr
Lokhalle Freiburg (Paul-Ehrlich-Straße 5, 79106 Freiburg)
14.10.2026, 20:00 Uhr
Lokhalle Freiburg (Paul-Ehrlich-Straße 5, 79106 Freiburg)
16.10.2026, 20:00 Uhr
Lokhalle Freiburg (Paul-Ehrlich-Straße 5, 79106 Freiburg)
17.10.2026, 20:00 Uhr
Lokhalle Freiburg (Paul-Ehrlich-Straße 5, 79106 Freiburg)
18.10.2026, 19:00 Uhr
Lokhalle Freiburg (Paul-Ehrlich-Straße 5, 79106 Freiburg)

Kammeroper in zwei Akten nach der gleichnamigen Erzählung von Edgar Allan Poe
Freiburger Erstaufführung


1839 erschien erstmalig die berühmte Geschichte „The Fall of the House of Usher“ von Edgar Allen Poe (1809-1849) in „Burton’s Gentleman’s Magazine“ in New York. Als Erfinder der modernen Kriminalliteratur gehört Poe mit seinen phantastischen Schauergeschichten zu den Vorreitern der Psychoanalyse. In der amerikanischen Literatur gilt er eher als Außenseiter. In Europa, bekannt gemacht durch seinen Bewunderer Charles Baudelaire, fanden seine Werke bald vor allem im deutschen Sprachraum eine begeisterte Leserschaft. Poes Dichtungen überschreiten oftmals die Grenzen zwischen Dies- und Jenseits, was ihre besondere Faszination ausmacht.

William wird von seinem Jugendfreund Roderick Usher mit der Bitte um Hilfe herbeigerufen. Ist es Traum oder Wirklichkeit, was William während seines Aufenthaltes im Hause Usher erlebt? Eine Reise in die eigene Vergangenheit. Rodericks seltsame Liebe zu seiner todkranken Zwillingsschwester Madeline, deren Stimme Tag und Nacht im Haus zu hören ist, auch dann noch, nachdem sie im unterirdischen Verließ des Hauses begraben wurde.

Der Amerikaner Philip Glass (geb. 1937) gehört zu den populärsten zeitgenössischen Komponisten. Man bringt seinen Namen stets mit der Kunstrichtung der Minimal Music in Verbindung, einem Begriff, der zuerst durch den Amerikaner Tom Johnson (z. B. Die Viertonoper, jüngst 2025 durch die Opera Factory Freiburg aufgeführt) und den Briten Michael Nyman (z. B. Das Piano) geprägt wurde. Glass selbst würde nur seine zwischen 1965 und 1975 entstandene Musik dieser Richtung zuordnen und beschreibt seine Werke lieber als „Musik mit wiederkehrenden Strukturen“. Sein Musikstil ist entscheidend durch die indische Musik und seinen Mentor Alla Rakha geprägt. „Durch diese Musik habe ich meine Sensibilität für den Rhythmus entwickelt.“ Weltweit bekannt wurde Glass 1976 mit der Oper Einstein on the Beach, der zahlreiche gemeinsame Projekte mit Robert Wilson folgten. In den 1980er Jahren kam es zur Zusammenarbeit mit Achim Freyer in Stuttgart mit einer Glass-Trilogie, darunter der Uraufführung von Akhnaten (Echnaton). Inzwischen hat Philip Glass mehr als 20 Opern komponiert. Einem breiten Publikum ist er durch die Komposition von Filmmusik bekannt geworden (Koyaanisqatsi, Dracula, The Hours u. v. a.).

Die Musik von Philip Glass unterstützt die markerschütternde Handlung durch einen schwebenden, vereinnahmenden Klangteppich, der den Hörer in eine Art meditativer Entrückung versetzt. Die scheinbare Ereignislosigkeit in der Musik unterstreicht, im Zusammenhang mit der Handlung, die albtraumhafte Atmosphäre dieser auf der gleichnamigen Erzählung von Edgar Allan Poe basierenden Schauerballade. Für Tenor, Bariton und Sopran hat Glass die drei Hauptpartien notiert. Er verwendet neben Gitarre, Schlagwerk und Synthesizer ein konventionelles Instrumentarium eines Kammerensembles.

Die von der Theaterpädagogin Friederike Neff bereitgestellten Materialen für Schulklassen zur Vorbereitung des Opernbesuches können unten heruntergeladen (PDF) sowie angehört (YouTube-Playlist: Hörbeispiele I.3 – Glockenspiel, II.Prelude sowie II.1 – Duett) werden.

Hinweis: Die Lokhalle Freiburg ist nicht beheizt. Wir empfehlen passende Kleidung.
An der Abendkasse ist nur Barzahlung möglich.


PROGRAMM:

  • Philip Glass (*1937): The Fall of the House of Usher (1987/88)
    Kammeroper in zwei Akten nach der gleichnamigen Erzählung von Edgar Allan Poe
    Text: Arthur Yorinks
    Aufführungen in englischer Originalsprache mit Übertiteln
    Freiburger Erstaufführung
    Werkeinführung mit Dr. Cornelius Bauer jeweils 45 Minuten vor Vorstellungsbeginn

Künstlerisches Leitungsteam

Musikalische Leitung: Klaus Simon

Musikalische Leitung (14.10.): Yves Scheuring

Inszenierung: Joachim Rathke

Ausstattung: David Mohorič

Dramaturgie: Cornelius Bauer

Theaterpädagogik: Friederike Neff

Solisten

William (Bariton): Ekkehard Abele

Roderick Usher (Tenor): Wei-Chieh Tai

Madeline Usher (Sopran): Leonor Pereira Pinto

Servant (Bass): Johannes Blank

Physician (Tenor): Markus Brock

Assistenten

Musikalische Assistenz: Yves Scheuring

Korrepetition: Ariane Moulin

Regieassistenz: Ann-Marie Najderek

Ausstattungsassistenz: Charlotte Vosteen

Holst Sinfonietta

Flöte/Piccolo: Clara Giner Franco

Klarinette:

Fagott: Robert Oros

Horn: Pau Riedweg Canturri

Schlagzeug: Lee Forrest Ferguson

Keyboard: Ariane Moulin

Violine: Sylvia Oelkrug

Violine: Saskia Mährlein

Viola: Katrina Saffuri

Violoncello: Philipp Schiemenz

Kontrabass: Anna Stelzner

Motiv: D. Mohorič

Fotos: Marc Doradzillo

Pressezitate

A) Die Deutsche Bühne am 15. Oktober 2026 (Andreas Falentin)

„Der Opera Factory Freiburg ist ein musikalisch überwältigender Opernabend gelungen, abgerundet mit einer schlüssigen Inszenierung, die auf Musik und Libretto fußt [...].

Die Lokhalle Freiburg, in der die Opera Factory Freiburg erstmals gastiert, ist ein idealer Veranstaltungsraum für Musiktheater – wegen der Akustik. Sie ist nicht grell, hat keinen Hall, aber eine große Klarheit. Der Musik von Philip Glass hilft das sehr, weil man immer jedes einzelne Instrument hört (zwei Violinen und neun Solo-Instrumente inklusive Gitarre, Keyboard und Schlagzeug) und gleichzeitig den Zusammenklang. So werden die vielen Klangpartikel hörbar, ihr Entstehen und ihre Anordnung.

Dirigent Yves Scheuring nutzt diese Vorgabe gut. Er stellt mit größter Ruhe die unruhigen Tempi her, die eigentlich eine Illusion sind und sich aus der Musik ergeben, weil sie immer schnell pulsiert und die Klangfarbe wechselt. Scheuring gelingt es, diese Metamorphosen, die bei Glass an die Stelle der Melodik treten, mit der Holst Sinfonietta frei auszuspielen: Man freut sich auf jede neue Farbe, ist fasziniert vom wogenden, aber nie gleichförmigen Klang.

Duett und Duell

Vor allem gelingt es an diesem Abend, der Partitur Tiefenstruktur zu geben: Instrumente tauchen aus dem Klang auf und erheben sich darüber, wie die Klarinette, die mit einem einfachen Triller zum Leitmotiv für Madeline wird. Immer schälen sich Duette aus der Musik – etwa Horn und Gitarre oder Fagott und Keyboard –, am stärksten Flöte und Klarinette, die bei Madelines Totengedenken geradezu um die Führung des Kammerorchesters ringen. Diese Duette sind bei der Holst Sinfonietta auch immer Duelle, Kämpfe, dramaturgische Bewegungen, die um die Herrschaft in Klang und Orchester ringen. Und sie machen, nicht zuletzt, Glass’ Komposition zur Oper, zum Drama.“

„Regisseur Joachim Rathke bringt die Impulse der Musik klug auf die Bühne. In Glass’ Oper geht es um William, der seinen alten Freund Roderick Usher besuchen will, der unglücklich ist. Usher lebt in einem Haus, das ihn niederdrückt mit seiner Schwester Madeline, die nicht mehr spricht. William wird Zeuge des Untergangs: Madeline stirbt, die Familie vergeht, das Haus stürzt ein.“

„Sehr interessant ist, wie Rathke das Haus Usher selbst darstellt. David Mohorič hat ihm ein schlichtes Schlafzimmer auf die Bühne gestellt: Bett, Tisch, Stuhl, Wasserbecken und -krug. Das Haus is umgeben von leeren Bettstätten, von Holz ohne Leben. Doktor (Markus Brock) und Diener (Johannes Blank) beeindrucken mit ihren wenigen Noten sehr und – sie sind das Haus. Sie treten immer zusammen auf, räumen um, sodass der Eindruck einer Zimmerflucht oder einer Filmszene mit wechselnden Kameraeinstellungen entsteht: Sie beerdigen Madeline, sie sehen nach Roderick. Der wichtigste Faktor aber ist immer Madeline, die sprachlose Schwester, inszeniert als vertrauter Fremdkörper.“

Wie Leonor Pereira Pinto ihre Vokalisen singt – immer auf „a“ – erzeugt Gänsehaut. Hier ist keine Bewegung, nur Ruhe, Agonie. Man nimmt die Intervalle zwischen ihr und dem Orchester, besonders die Sekundreibungen, wahr wie etwas außergewöhnlich Schönes, aber Totes. Hier hört man das Haus Usher und Rathke macht sozusagen szenisch den Weg dafür frei.“

„Am Ende übernimmt wieder das Kammerorchester die Führung. Nach Madelines Tod sind keine Farben da, nur noch Rhythmus. Klarinette und Flöte, Horn und Fagott begehren auf gegen diese Entindividualisierung des Klanges, aber sie schaffen es nicht. Weil die Endgültigkeit des Todes vorherrscht.“
B) Badische Zeitung vom 12.10.2026 (Georg Rudiger)
 
„Bei Philip Glass' gleichnamiger Kammeroper aus dem Jahr 1988, die nun die Opera Factory unter der Leitung von Klaus Simon in der Lokhalle Freiburg auf die Bühne brachte, wird aus dem namenlosen Besucher die von einem Bariton gesungene Figur William. Mit tragender Stimme liest Ekkehard Abele im Prolog die Zeilen Rodericks vor, ehe mit Arpeggien in der Gitarre (Lorenz Zimmermann) Philip Glass' tonale, in sich kreisende Musik beginnt, die die Zeit dehnt und das Publikum auch bei den Abgründen an die Hand nimmt.“
 
I will be you and you will be me”, singt Wei-Chieh Tai als Roderick in der fünften Szene des ersten Akts zu Madeline (tief berührend: Leonor Pereira Pinto). Regisseur Joachim Rathke nimmt das wörtlich und macht aus Madeline die weibliche Verkörperung von Roderick. Dieser transsexuelle Ansatz funktioniert szenisch überraschend gut, weil die Figur keinen Text hat, sondern nur Vokalisen singt, die Leonor Pereira Pinto mit ihrem kristallinen Sopran wirklich zu einem echten Sehnsuchtsort macht.“
 
„Ob im Jackett oder mit Perücke und Kleid – Ekkehard Abele verleiht William Präsenz und Verletzlichkeit. Mit seinem kräftigen Bariton kann er auch wie in der 2. Szene des 2. Akts Verzweiflung zum Klingen bringen.“
 
„Dabei ist es immer hörenswert, wie die Holst Sinfonietta Glass' mitunter monotone, mit kleinen Veränderungen arbeitende Musik zum Leben erweckt. Dirigent Klaus Simon lässt in dem regelmäßigen Puls Freiheiten zu.
Die Tempowechsel funktionieren traumwandlerisch sicher, die manchmal um eine Achtel verschobenen Patterns greifen perfekt ineinander. Simon macht aus Glass' Baukasten-Musik Poesie. Die Holst-Sinfonietta veredelt die exponierten Bläsersoli in Flöte/Piccolo (Clara Giner Franco), Klarinette (Anna Maria Steinheber), Fagott (Robert Oros) und Horn (Pau Riedweg Canturri) – die Streicher sorgen für Wärme und Homogenität (…)“